Samstag, 3. Juni 2017

Die Sache mit den Schullektüren

Hi ihr da draußen!

Hier in Bayern (und vermutlich auch in einigen anderen Bundesländern) ist jetzt wieder die Zeit gekommen, in der die letzten Deutschprüfungen des Schuljahres vorbei sind. Dann fragen sich die meisten Deutschlehrer unweigerlich, was sie die letzten Schulwochen noch mit uns Schülern anfangen sollen... und die Antwort darauf ist fast jedes Jahr die gleiche: es wird eine Lektüre gelesen.
Das sorgt aber nicht nur bei meinen lesefauleren Mitschülern für einiges an Unmut: Auch ich bin in den meisten Fällen alles andere als begeistert. Denn obwohl ich wirklich gerne die unterschiedlichsten Genres lese, haben mir die meisten Schullektüren nicht besonders gut gefallen und das hat die unterschiedlichsten Gründe:

Schullektüren
Hier seht ihr einige meiner Schullektüren.
Allerdings habe ich ein paar mittlerweile auch schon weggegeben...

Zum einen werden die Bücher, die ich lesen muss, mit zunehmender Jahrgangsstufe auch immer älter. Dieses Jahr durfte ich zum Beispiel schon ein Drama aus dem 18. Jahrhundert lesen und zwar "Emilia Galotti". Die alte Sprache ist mir wirklich extrem auf die Nerven gegangen, obwohl ich mir natürlich bewusst bin, dass es durchaus noch schlimmer geht. Und das wird es leider nächstes Schuljahr in der Oberstufe vermutlich werden. 😞

Aber manchmal haben wir ja tatsächlich einigermaßen "zeitgenössische" Literatur gelesen. Dann waren das aber oft Kinder- und Jugendbücher oder Klassiker wie "Das fliegende Klassenzimmer" (6. Klasse), die absolut nicht mein Ding waren. Hauptsächlich vermutlich deshalb, weil ich in dem Alter schon meinen ersten Stephen King Roman gelesen hatte und das Gefühl hatte, aus solchen Büchern schon etwas herausgewachsen zu sein.

Und dann sind da natürlich noch die "pädagogisch wertvollen" Bücher wie "Nennt mich nicht Ismael" (7. Klasse), die sich mit Themen wie Mobbing befassen. Ja, über diese Themen zu lesen ist bestimmt sinnvoll, aber meist sind diese Bücher einfach nur langweilig, weil sie an Handlung ansonsten nicht viel zu bieten haben. 😔

Natürlich gibt es auch Ausnahmen: In der 8. Klasse habe ich beispielsweise "Isola" von Isabel Abedi gelesen. Dieses Buch hätte mir unter anderen Umständen bestimmt extrem gut gefallen, zumal ich ein anderes Werk der Autorin, nämlich "Lucian", wirklich gefeiert habe. 💕Aber in der Schule wird man ja angehalten, das Buch in kleinen Häppchen zu lesen und danach alles Mögliche zu analysieren. Manchmal habe ich das Gefühl, ich habe mich mit bestimmten Textstellen länger befasst, als der Autor gebraucht hat, um sie zu schreiben. Und da macht selbst das beste Buch irgendwann keinen Spaß mehr, weshalb "Isola" von mir am Ende dann auch nur noch drei Sterne bekommen hat, wenn ich mich richtig erinnere.

Trotzdem werde ich auch dieses Mal versuchen, möglichst unvoreingenommen an meine Schullektüre heranzugehen. Zugegeben, so schleicht klingt die neue Lektüre "Die Mitte der Welt" gar nicht. 😉
Allerdings finde ich schon, dass unsere Schulen dafür, dass sie angeblich versuchen wollen uns Schüler zum Lesen zu animieren, einen ziemlich schlechten Job machen. Es würde ja sicher nicht schaden uns hin und wieder mal Bücher lesen zu lassen, die auf den Bestsellerlisten stehen. Außerdem könnte der ein oder andere Deutschlehrer mal einsehen, dass ein Buch auch dann als gelesen gilt, wenn man nicht sämtliche Figuren ausführlichst charakterisiert hat.

Ich hoffe jedenfalls, dass einige von euch bessere Erfahrungen mit Schullektüren gemacht haben als ich. 😅

Viele liebe Grüße

Kommentare:

  1. Hey, ich kann deinen Unmut sehr gut verstehen. Diese über-analysieren ging mir auch immer sehr auf den Zeiger. Selbst wenn die Schullektüre mal gar nicht so schlecht war. Beispielsweise fand ich "Der Besuch der alten Dame" gar nicht so schlecht, aber dadurch das wir den Inhalt jedes Kapitels zusammenfassen sollten und einige Kapitel bis ins kleinste Detail analysiert haben, ging die Freude am lesen echt verloren.
    Interessant finde ich hingegen die englischen Lektüren. Das sind mittlerweile echt gute Bücher, die da rausgesucht werden. Die interessant sind. Stellenweise wird sogar "Die Tribute von Panem" in englisch gelesen. Finde ich total genial! Schade das der Trend nicht auch in "Deutsch" angekommen ist. Klassiker sind ja schön und wichtig, aber gerade in der Unterstufe halte ich es für viel wichtiger die Jugendlichen zum lesen zu bringen. (So wie du das auch sehr schön in deinem Artikel geschrieben hast). Da verschreckt man die Schüler doch eher, wenn man die ganz alten Schinken auspackt :/ Dabei hat unsere moderne Literatur doch auch sooo viele schöne Bücher zu bieten. Freue mich schon darauf, wenn endlich mal Harry Potter in den Schulen gelesen wird xD Wenn mans richtig anstellt kann das analysieren Spaß machen. Indem man zb Theorien aufstellt oder "was wäre wenn" Szenarien. Meine englisch Lehrerer (sowohl Oberstufe als auch Unterstufe) haben das immer total gut hingekriegt :)

    Sehr, sehr interessanter Artikel mit vielen richtigen und wichtigen Punkten, die du angesprochen hast!

    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Hi Andrea :)

      Freut mich sehr, dass du meinen Artikel interessant fandest. Davon dass im Englischunterricht wesentlich neuere und bessere Bücher gelesen werden, habe ich an meiner Schule auch schon gehört. Leider hatte ich allerdings noch keinen Englischlehrer, der mit meiner Klasse eine Lektüre lesen wollte. Das liegt vielleicht auch daran, dass einige meiner Mitschüler auch in der 10. Jahrgangsstufe noch nicht gut genug Englisch können, um einen ganzen Roman zu verstehen. :/
      Vielleicht lesen wir ja in der Oberstufe mal ein englisches Buch. Ich fände das mal interessant, besonders weil ich privat auch manchmal auf Englisch lese.

      Viele liebe Grüße
      Sarah

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  3. Hey!
    Erstmal Kompliment für diesen Post (und generell für deinen Blog, bin gerade erst darauf gestoßen). Du hast es wirklich gut auf den Punkt gebracht. So wie wir in der Schule mit Büchern umgehen, kann man sie gar nichts ist mögen.
    In niedrigeren Jahrgangsstufen habe ich die Schullektüren teils noch gerne gemocht und sie waren auch "sinnvoll" (teils über den Nationalsozialismus/Neonazis etc.) und ich finde es generell auch gut deutsche Klassiker zu kennen, aber dazu muss man das Lesen meiner Meinung nach nicht so angehen.
    Im Englischunterricht habe ich letztes Jahr The Perks of Being a Wallflower / Das also ist mein Leben gelesen und das hat mir wirklich gut gefallen, da sich unsere Englischlehrerin wegen des Englisch-Niveaus mit dem einfachen Lesen zufriedenen gegeben hat und wir außer ein paar Charakterisierungen nichts mehr machen mussten. Und auch an sich fand ich das Buch wirklich schön.

    Liebe Grüße,
    Josi

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